Internationaler Aktionstag der kämpferischen Weltfrauenbewegung am 19. Juni 2020

Europakoordinatorin der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen Susanne Bader, Zaman Masudi / DeputyHamburg / Deutschland

Email: ad.bew@ke-redabennasus

Presseerklärung

Internationaler Aktionstag der kämpferischen Weltfrauenbewegung am 19. Juni 2020

Ohne uns Frauen gibt es keine Lösung der brennenden Probleme unserer Zeit.

Die Weltfrauenbewegung erhebt mit einem Internationalen Aufruf und Forderungsprogramm in Zeiten der Corona-Pandemie ihre Stimme auf vier Kontinenten. „Wir sind nicht einverstanden, wie wir regiert werden! Deshalb stellen wir unsere eigenen Forderungen auf.“

37 Frauenorganisationen, Massenbewegungen, Gewerkschaft und Repräsentantinnen aus Afghanistan, Bangladesch, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, DC Kongo, Ecuador, Frankreich, Haiti, Indien, Kenia, Lanzarote, Marokko, Nepal, Niederlande, Peru, Sri Lanka, Südkurdistan/Nordirak, Tansania, Tunesien, Togo, Türkei, Venezuela stehen mit ihrem Wort für einen aktiven Kampf zur Umsetzung der Forderungen.  

Joly Talukder, Bangladesch, Vorsitzende der Textilarbeiterinnen-Gewerkschaft GWTUC: „wir sind dabei! Wir fordern für die über fünf Millionen Textilarbeiterinnen die Auszahlung der Löhne und Rücknahme von Entlassungen. Wir organisieren unter schwersten Bedingungen Lebensmitteln und medizinische Behandlung für die Arbeiterinnen und Arbeiter, die in der gegenwärtigen Situation Not leiden“.

Sharmistha Choudhury, Indien, AIRWO: „Super Idee, wir sind dabei. Wir fordern für die Milliarden Inder, insbesondere Frauen aus dem informellen Sektor sofortige Aufhebung des Lockdown; ihnen und ihren Kindern droht der Hungertod.“

Mwambu Margaret Jane, Uganda, Koordinatorin, WFK Ostafrika: „ich appelliere, die Länder der Dritten Welt mit Nahrungsmitteln zu unterstützen. Bitte erheben Sie sich und folgen Sie unserem Aufruf.“

Vilma, Peru, Vorsitzende von Micaela Bastidas: „die Pandemie greift immer stärker um sich, es gibt viele Tote im Land, mehr als 15000, aber sie werden nicht gezählt, weil sie zu Hause sterben. Wir sind dabei“.

Halinka Augustin, Niederlande Europakoordinatorin: „wir fordern Gesundheitsschutz für Alle!“

Demokratische Frauenbewegung in Europa/ ADKH „wir sind dabei“, „Frauen sind überall auf der Welt  dem Wertesystem der Herrschenden, Nationalismus, Rassismus, sexueller Ausbeutung ausgeliefert. Der Gewalt und Diskriminierung an Frauen kann nur mit organisiertem Kampf entgegengetreten werden

In Deutschland beschloss die Bundesregierung 2,4 Milliarden Subventionen für Adidas, 9 Milliarden für Lufthansa, zum Dank will sie sofort 22.000 Arbeitsplätze vernichten! Für die Familien gibt es eine Einmalzahlung von 300.-€ pro Kind auf zwei Monate gesplittet. Aber aus unseren Steuerzahlungen bekommen die Monopole Milliarden. Mit der Öffnung von Schulen und Kitas werden einerseits die Frauen entlastet, zugleich gibt es weder mehr Personal in den pädagogischen Berufen, noch mehr Geld, geschweige denn eine adäquate strukturelle Änderung des Unterrichts hinsichtlich des Corona-Schutzes.
Wir unterstützen die Forderung des pädagogischen Personals für regelmäßige Tests. 

Wir fordern, Gesundheitsschutz – koste es was es wolle! Das Geld ist da, es muss nur von den Monopolen nach unten auf die breiten Massen verteilt werden!

Kundgebungen mit Presseerklärung am Freitag, 19. Juni

In Hamburg-Altona, 18:00h Ottenser Hauptstrasse Nähe Mercado Kundgebung mit Susanne Bader, Europakoordinatorin, Najia Afshari, Sprecherin Frauenverband Courage sowie eine Vertreterin der demokratischen Frauenbewegung in Europa ADKH.

Weitere Aktionen sind geplant in Berlin, Frankfurt/ Main, Stuttgart – siehe www.fvcourage.de

ViSdP: Susanne Bader, Europakoordinatorin der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen, Hamburg-Altona

Frauenverband Courage Essen e.V., 17. Juni 2020
Solidaritätsbrief für Uschi Gerster

„Sorgt dafür, dass die Welt nicht in Stücke zerfällt, dass ein Menschengesicht sie erhält“ (aus einem französischen Arbeiterlied)

Liebe Uschi Gerster, liebe Vertrauensleute vom UNI- Klinikum in Essen,

erstmal ziehen wir unseren Hut für eure gelungene und mutige Soli- Aktion am 9. Juni  mit dem von unmenschlichen Polizisten in den USA ermordeten George Floyd am UNI- Klinikum Essen: #BlackLivesMatter!

Wir danken euch, dass ihr in eurer Rede auch die strukturelle rassistische Polizeigewalt in Deutschland und in unserer Stadt Essen angreift und euch mit den Opfern solidarisiert.

Eure Rede hat einen regelrechten Aufruhr in Essen verursacht, nachdem die WAZ eure Sprecherin Uschi Gerster verfälscht zitierte.  Sie habe gesagt, die deutsche Polizei begehe rassistische Morde an Flüchtlingen.

Wir haben gelesen, was Uschi Gerster wirklich gesagt hat (Zitat): „Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu rassistisch motivierter Polizeigewalt, die auch Menschenleben fordert. (…) Immer wieder kommt es vor, dass auch deutsche Beamte Menschen erschießen, meist handelt es sich dann um Geflüchtete oder Menschen mit Migrationshintergrund. Solche „Vorfälle“ werden so gut wie nie aufgeklärt bzw. die Täter nicht belangt. Selbst die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sagt, dass rassistische Polizeimaßnahmen in Deutschland verbreitet sind. Auch Polizeikontrollen aufgrund ethnischer Herkunft seien „definitiv auch in Deutschland ein Problem“.

Wie ist sowas möglich in dieser so oft beschworenen deutschen Demokratie?

Soll das demokratisch sein, wenn die WAZ nachweisbar Lügen in zehntausenden Essener Haushalten verbreitet und die Gegendarstellung der Beschuldigten Uschi Gerster nicht veröffentlicht? 

Soll das demokratisch sein, wenn die Stadtregierung, der Oberbürgermeister, die meisten Parteien im Stadtrat diese Lügen einfach übernehmen und damit die Polizei von rassistischen Gewalttaten frei sprechen?

Soll das demokratisch sein, wenn der Artikel von Bodo Urbat, der die ganze Sache aufdeckt, im Lokalkompass einfach entfernt wird?

Wir wissen aus eigener Erfahrung durch unsere ehrenamtliche Arbeit in Flüchtlingscamps und in unserem Frauenverband, dass Uschi Gerster völlig zu Recht die strukturelle rassistische Gewalt im Polizeiapparat kritisiert und Aufklärung ungeklärter Fälle fordert! Aktuellstes Beispiel mit unmenschlicher Polizeigewalt ist das traumatisierende Erlebnis einer Couragefrau aus Herne:  Weil sie ihrem Bruder gegen die Bedrohung durch die Polizei zu Hilfe eilte, wurde sie brutal zu Boden geworfen, martialisch bedroht, angebrüllt und mit Pfefferspray verletzt. Mitgenommen zur Wache musste sie sich dort nackt ausziehen! (mehr dazu auf fvcourage.de)

Aufgrund heftiger Massenproteste gegen Faschisierung, Militarisierung und Rassismus im Polizei-, Bundeswehr und Verfassungsschutzapparat wurden in allen Ländern der Republik Untersuchungsausschüsse und Extremismus- Beauftragte eingesetzt. Es ist genau, wir Frau Gerster sagte: wir hören seit Jahren regelmäßig von neuen Nazistrukturen, die in der Polizei oder auch der Bundeswehr aufgedeckt werden, wie Uniter, Nordkreuz oder dem selbsternannten NSU 2.0.!

Warum gibt es einen solch heftigen Angriff gegen Menschen in neuerdings anerkannt „systemrelevanten“ Berufen?  Der Aufreger ist, dass ihr euch als Belegschaft mit euren Vertrauensleuten politisch zu Wort gemeldet habt, vor den Toren des zweitgrößten Arbeitsgebers in Essen, dem Uniklinikum.

Wir fragen uns, ob diese Aufregung nicht mit der gesamten politischen Ausrichtung zu tun hat, nämlich der Tendenz in Deutschland, Proteste und Widerstand, Streiks und Demonstrationen mit Verleumdungen und Hetze zu zertreten. Gerade in den Pflegeberufen gibt es extreme Widersprüche zur herrschenden Politik, werden KritikerInnen der Gesundheitspolitik kriminalisiert, wie aktuell in der Auseinandersetzung mit dem Thema „Pflegekammer“ und der Politik gegenüber den Pflegeberufen:  Kritiker der unsozialen „Pflegekammer“- Pläne werden als „militante Kräfte“ diskreditiert, es wird ihnen eine „kriminelle Energie“ unterstellt. Die Pflegekräfte kritisieren, dass staatliche Hilfe bei ihnen nicht ankommt, dass kein ausreichender medizinischer Schutz besteht, dass willkürlich wieder alles geöffnet wird ohne einmal die an der Front, nämlich die Pflegekräfte und Familien zu fragen, ob sie das befürworten. In Kliniken, Altenheimen, Flüchtlingslagern, Familien und Kleinunternehmen brodelt ein Kessel voller Widersprüche. Unsere Erfahrung ist, dass gerade in solchen Krisen Kritik unterdrückt und kriminalisiert wird. So auch eure Rede.

Was wir allerdings wirklich gut an dem ganzen Prozess finden ist: Das hat eine Solidarisierungswelle hervorgebracht, die Fronten geklärt und eine Richtung gezeigt, dass wir uns nicht spalten lassen. Dass wir weltanschaulich offen, demokratisch, international zusammen arbeiten und kämpfen müssen!

Wir fordern dass die WAZ, die Stadtregierung, Parteien  ihre unhaltbaren Falschdarstellungen öffentlich zurücknehmen. Wir fordern, dass sie alle sich öffentlich entschuldigen, bei Uschi Gerster, den Vertrauensleuten, den KundgebungsteilnehmerInnen und bei uns allen, die Polizeigewalt live erlebt, von ihr erfahren haben und sie bekämpfen.   

Solidarität ist die schönste Blume der Menschheit

 

 

 

Sommerprogramm Courage Essen

Wir haben festgestellt, dass die gesellschaftlichen Probleme und Widersprüche, die im 10- Punkte – Courageprogramm stehen, gerade jetzt in der Corona-Krise verschärft, wie in einem Brennglas hervortreten. Vertieft werden sie noch durch die Wirtschafts- und Finanzkrise.

Dabei haben wir uns mit 3 Themen intensiver befasst und wollen sie mit euch und dem Bundesvorstand bei den Frauen-Mitbring-Frühstücken vertiefen und Forderungen weiter entwickeln:

  1. Corona, Mensch oder Proftit, „Vereinbarkeit“ Beruf und Familie:

Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Für Lockerungen der Einschränkungen gegen Neuinfektionen und finanzielle Soforthilfen durch den Staat mit unseren Steuergeldern muss der Maßstab der Mensch und nicht der Profit sein!

>Nicht die Monopole wie Lufthansa oder VW unterstützen, sondern Familien, Pflegeberufe, Kleingewerbe, Selbständige!

63 Prozent der Familien machen täglich Homeschooling, müssen Lehrerin sein neben ihrem Beruf, oft noch im Homeoffice oder mit Pflege Angehöriger.

82 Prozent davon sind Frauen. Die Mehrheit unserer Couragefrauen ist betroffen, ist am Ende, viele Kinder ohne Internetanschluss, Angst vor Jobverlust…oder vor Ansteckung im Job wegen fehlendem Schutz.

>Wir wollen Lockerung, aber mit Covid-19-Tests und echten Schutz für alle!

>Wir unterstützen berechtigte Streiks, Proteste, Demos – wenn sie um unsere Lebensinteressen gehen, wie die des Personals in Pflege, Schule, Kitas – oder für die Umwelt wie in Datteln gegen Kohlekraftwerk oder der Belegschaften gegen Massenentlassungen…

  1. Gewalt an Frauen und Kindern:

Die Corona-Pandemie zeigt, wie nötig und richtig das Verbot von Sexkauf, der Schutz und die Hilfe für Prostituierte ist. Solange Frauen und Mädchen legal und öffentlich wie eine Ware angeboten werden dürfen, wird sexuelle Gewalt an Frauen und Kindern eher als normal oder persönliches Schicksal angesehen.

>Wir verbreiten und unterstützen den offenen Brief „Frauenmord ist kein Einzelfall und kein Versehen!“

>16 Bundestagsabgeordnete über Parteigrenzen hinweg fordern Sexkaufverbot! Wir schon lange! Nehmen wir sie beim Wort!

>Umsetzung der Istanbul-Konvention! Ausbau Personal und Raum von Frauenhäusern!

>Bessere Ausbildung zur Sensibilisierung und Handlungsfähigkeit von Erzieherinnen, Lehrerinnen, Pflegepersonal, Jugendamts- und Polizeipersonal! Einfühlsame und konkrete Hilfsangebote von Familienhelferinnen.

  1. Flüchtlinge und MigrantInnen sind keine Menschen 2. Klasse!

Die Moria- Soliaktion war eine wichtige und erfolgreiche Sache. Auf unserer Homepage erfahrt ihr mehr darüber! Flüchtlinge organisieren sich selbst, kämpfen gemeinsam mit Soligruppen. So konnten sie die ersten Evakuierungen aus den Massenlagern in Deutschland durchsetzen.

Im Erstaufnahmelager NRW in Essen/ Fischlaken (800 Menschen) wurde jetzt die erste Covid19-Infektion bekannt. Das Lager ist versteckt, ohne Außenkontakte. Deshalb wollen wir es besuchen und schauen, was und wie wir was tun können. Mit der Corona-Krise erfahren auch viele unserer Frauen rassistische Angriffe, Menschen mit anderer Hautfarbe, asiatisch Aussehende werden als Verursacher der Pandemie beschimpft…

>Auflösung der Massenunterkünfte, der Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) und der Ankerzentren in Deutschland! 

>Wir unterstützen den Apell vom Flüchtlingsrat NRW und PA Essen: „Infektionsschutz für alle!“ (unterschreiben auf der website von Flüchtlingsrat)

>Wir fordern: Essen muss sicherer Hafen werden!

>Besonderer Schutz für geflüchtete Frauen. Medizinische (z.B. Binden, Wickelzeugs, Pille usw), und psychologische Versorgung nach traumatischen Erlebnissen ist Menschenrecht!

Unser Herz schlägt international. Rassismus, Faschismus, Sexismus – NoGo!

#BlackLivesMatter #AllCouloredLivesMatter  Now and every Day!                                                                                   

 

Bündnistagung „Für eine Welt ohne Prostitution“

Bündnistagung Nordisches Modell am 26.+27. September 2020 in Bonn

Die Covid-19-Pandemie zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, über gesetzliche und gesellschaftliche Veränderungen nachzudenken. Gerade jetzt werden die Missstände in der Prostitution besonders deutlich. Das Nordische Modell wird im Moment besonders heftig und kontrovers diskutiert. Befürworter dieses abolitionistischen Modells treffen sich am 26./27. September zu einer Bündnistagung  in Bonn. Eingeladen sind Vereine, Initiativen und Einzelpersonen, die sich für die Einführung des Nordischen Modells engagieren (wollen). Bei der Bündnistagung stehen der gegenseitige Austausch und die Erarbeitung von Strategien im Mittelpunkt. Die insgesamt 14 Workshops am ersten Tag beleuchten die unterschiedlichen Seiten der Prostitution. Dabei geht es darum, Vorgehensweisen gegen diese Missstände zu erarbeiten. Workshops werden u.a. durchgeführt von Manu Schon, Huschke Mau, Chantal Louis, Prof. Dr. Rahel Gugel, Dr. Inge Kleine, Manfred Paulus, Lena Teschlade und Dr. Andrea Tivig. Am Sonntag werden die erarbeiteten Forderungen im Plenum vorgestellt, diskutiert und beschlossen, so dass gemeinsam ein organisationsübergreifender Forderungskatalog an die Politik gestellt werden kann. Dieser soll bei einem Pressegespräch Anfang Oktober in Berlin vorgestellt werden. Zwischen den einzelnen Veranstaltungen besteht Raum zum Kennenlernen und Austausch. An den Ständen der verschiedenen Initiativen und Vereine gibt es Informationen zu deren Engagement. Abolitionistische Organisationen, die sich mit Ständen auf dem Markt der Möglichkeiten vorstellen wollen, können sich bei der Konferenzleitung melden: ed.lledomsehcsidron-sindn¼Ãb@ofni. Eine Anmeldung zur Bündnistagung ist erforderlich. Informationen zur Veranstaltung gibt es auf der Seite  www.bündnis-nordischesmodell.de.

 

Hintergrund:

Wir sind vier Abolitionistinnen, die unabhängig von jeglichen Vereinen und Parteien dieses Netzwerktreffen planen. Letztes Jahr fand der 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung in Mainz statt. Es waren über 30 Nationalitäten vertreten. Wir finden, die Bündnistagung am 26. + 27. September diesen Jahren in Bonn ist der nächste wichtige, folgerichtige Schritt für Deutschland. Wir sind überall auf positive Resonanz und breite Unterstützung gestoßen. Wichtige Personen wie Leni Breymaier, Maria Noichl, Manu Schon, Huschke Mau, Manfred Paulus und Inge Bell haben ihr Kommen bereits zugesagt. TERRE DES FEMMES e.V., SOLWODI, SISTERS für den Ausstieg aus der Prostitution e.V., das Netzwerk Ella, Karo e.V. und viele mehr werden vertreten sein.