Mythos Trümmerfrauen

Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes

Eine Beitrag zum Internationalen Frauentag 2015 am Samstag, 7.3.2015 auf dem Willy-Brandt-Platz Essen von Ulrich Straeter

Leonie Treber:
Mythos Trümmerfrauen –
Von der Trümmerbeseitigung
in der Kriegs- und Nachkriegszeit
und der Entstehung eines
deutschen Erinnerungsortes
Klartext Verlag Essen, 2014
ISBN 978-3-8375-1276-2
Euro 29,95
Zwang oder Emanzipation?

Deutschland vor – noch ein Tor! Diese Ersatzschreie beibundesrepublikanischen Spielen der Fußball-Nationalmannschaft, Abteilung Männer, ist vielen bekannt. Nicht bewusst ist den meisten, dass die Frauen längst aufgeholt und auch schon Weltmeisterschaften und ähnliches gewonnen
haben. Aber das kommt in den männerdominierten Medien nicht vorrangig vor.

Nun hat eine sehr fleißige und fähige Wissenschaftlerin ihre Doktorarbeit an der hiesigen Universität geschrieben. Sie lautet: s. o.

Scheinbar handelt es sich um ein Lob der Trümmerfrauen und um einen Schritt in Richtung Anerkennung und Emanzipation. Denkste! Leonie Treber weist nach, dass dem überwiegend nicht so war und ist.

Inzwischen haben sich in unserem hiesigen Qualitäts-Blatt Witz, pardon WAZ, etliche Leute die Mäuler über die Arbeit zerrissen. Sie wollen es besser wissen als die Wissenschaftlerin, sie hat 480 Seiten darüber geforscht und geschrieben. Das Buch sollte man in seinerLieblingsbuchhandlung kaufen und erst einmal gelesen haben, bevor man mitdiskutiert!

Natürlich haben viele Frauen während des Krieges und in der ersten Nachkriegszeit bestimmte Trümmer beseitigt. Viele Männer waren ja nicht oder nicht mehr da! Die größeren Trümmer wurden oder mussten aber eh mit schweren Maschinen beseitigt werden. Und wer bediente die Maschinen: natürlich Männer, und wenn es Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene waren! Einige Nazifrauen wurden zwangsweise nach dem Krieg als Strafe zum Aufräumen der Bombentrümmer eingesetzt. Die anderen Frauen mussten räumen, da sie sonst keine Lebensmittelmarken bekommen hätten, die für viele Familien überlebenswichtig waren.

In der immer noch männerdominierten Bundesrepublik Ganzdeutschland haben die Frauen längst noch nicht die im Grundgesetz und in Sonntagsreden vorgesehene Gleichberechtigung erlangt. Weibliche Menschen repräsentieren mit 51 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung die Mehrheit. Was ihnen, trotz jahrzehntelanger erfolgreicher Arbeit vieler engagierter Frauen einschließlich der ziemlich reaktionär gewordenen Alice Schwarzer und den anderen Redaktionsmitgliedern der Zeitschrift „Emma“, nicht die entsprechende Mitsprache und Mitwirkung gebracht hat. Wobei Alice Schwarzer und ihr Team aus medienpolitischen Gründen sehr bekannt sind, während die alltägliche Wühlarbeit wie z. B. die der Frauenorganisation „Courage“ durch die Männer in den Mainstream-Medien so gut wie nicht beachtet wird. Also: einige Nazifrauen, Frauen von Nazis oder selbstbestimmte weibliche Nazis, wurden nach dem Krieg zum Aufräumen verdonnert.

Berliner Trümmerfrauen
Berliner Trümmerfrauen
by Janczikowsky [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

 Leonie Treber beschreibt und belegt dies. Andere mussten aus Not und Notwendigkeit Steine picken. Es handelte sich demnach um nichts Heroisches, sondern um eine als Strafe gemeinte und empfundene Tätigkeit. Eine der Drohungen, mit denen Schüler und Schülerinnen Anfang der fünfziger Jahre zur Räson gebracht wurden, lautete: Wenn ihr nicht brav seid, müsst ihr zum Steinepicken. Damit war die Beseitigung des Mörtels an gebrauchten Ziegelsteinen für den Hausbau gemeint.

All die Frauen, Alten und Kinder, die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die im Bombenhagel der Alliierten, der durch die Deutschen ausgelöst worden war, getötet wurden, bekamen explizit keine Denkmäler gesetzt. Suchen Sie mal ein so genanntes Kriegerehrenmal, auf dem Frauen und Kinder erwähnt werden! Sie werden keins finden! Die Inschriften auf „Kriegerdenkmälern“ erinnern an „unsere Helden, die in fremder Erde Schoß ihr Leben ließen“ (was hatten sie eigentlich dort zu suchen?), aber nicht an die Alten, an die Frauen und Kinder.

Wie viele Frauen sind nach dem Krieg auf Hamstertouren gefahren oder haben an der heimischen Tret-Maschine genäht, was das Zeug hielt, um die Restfamilie und oft auch den körperlich und seelisch schwerbeschädigten Mann durchzubringen, soweit er aus der Gefangenschaft schon zurückgekommen war. Die Helden waren müde!

All das umfasst heute den insbesondere von den konservativen Parteien positiv besetzten Begriff der „Trümmerfrauen“. Auch hier eineErsatzhandlung wie „Deutschland vor, noch ein Tor“, denn anscheinend braucht jede Gesellschaft ihre Mythen. Deutschland West hatte es hier, quasi als Nachfolgestaat des „Dritten Reiches“ mit seinem Alleinvertretungsanspruch, besonders schwer, die Widersprüche zu verdecken. Das Land hatte nicht viel mehr zu bieten als sein schlechtes Gewissen und den Vorwurf der Kollektivschuld.

Also: den Frauen ein Lob! Aber nicht so, wie die Konservativen das verschleiern. Bei uns wird ja vieles verschleiert, ohne dass man die Schleier sofort sieht.

In diesem Sinne viel Erfolg beim diesjährigen Internationalen Frauentag, der immer noch nicht in meinem Kalender ausgedruckt steht, obwohl er weltweit in 30 Ländern als offizieller Feiertag gilt! Daran müssen wir noch gemeinsamen arbeiten.

Danke!

Diskussion zur Streitfrage „Pro und Contra legale Prostitution“, 10.3.15., 19 Uhr, Glaspavillion Campus UNI Essen

Prost Veranst RLC Essen

Frauen, Männer, Jung und Alt, alle Nationalitäten – kommt zu dieser Veranstaltung, sprecht aus, was ihr darüber denkt, lasst Euch auf eine sicher widersprüchliche Diskussion ein, bereichert sie!Esther und Su
Wir dokumentieren hier den Inhalt der frei gehaltenen Couragerede zu diesem Theme, heute, bei der Kundgebung zum Internationalen Frauentag:
„Eine Welt ohne Prostitution ist möglich!
Courage fordert mit immer mehr Organisationen, Prominenten und Fachleuten in Europa ein Sexkaufverbot nach dem schwedischen Modell. D.h. Bestrafung der Freier, Zuhälter, Bordell- und Laufhausbetreiber. Und breit gefächerte Ausstiegshilfen für die prostituierten Personen.
Warum?
Deutschland hat 80,5 Millionen Einwohner und mindestens 400.000 prostituierte Personen. Das Einstiegsalter in die Prostitution liegt bei 13 Jahren. Täglich gibt es ca 1 Mio Freier/Sexkäufer in Deutschland!
Das deutsche Prostitutionsgesetz sagt, dass Prostitution, Zuhälterei, Bordellbetreiberei Berufe wie jeder andere wären.
Danach können Jobcenter unseren Kindern auch in diesen Branchen einen Job vermitteln und mit Steuergeldern unterstützen.
Erst 2009 wurde eine solche Arbeitsvermittlung für unzumutbar erklärt. Nach dem Bundessozialgericht-Urteil von 2009 ist sie mit dem Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ nicht vereinbar.
Nach dem geltenden Prostitutionsgesetz aber ist Prostitution weiter ein Beruf, genannt Sexarbeiterin.
Wollen wir, dass irgendwann der Tag kommt, an dem die Berufsberatung in der Schule unseren Kindern auch den Job als Sexarbeiterin oder Bordellbesitzer schmackhaft macht?
Durch Legalisierung der Prostitution ist Deutschland zum El Dorado für Sexindustrie und Freier, zum ALDI für Sexkäufer, zur Hölle für prostituierte Personen und zum größtem Menschen- Frauen- Kinderhandelsplatz geworden.
Wer die Legalisierung der Prostitution verteidigt, will er oder sie wirklich so etwas?
Frauen jegliche Menschenwürde zu nehmen?
Soll das die sexuelle Selbstbestimmung der Frau sein?
Können wir das unseren Töchtern und Söhnen mit auf den Weg geben?
Der Staat verdient ordentlich mit am Prostitutionssumpf. Schätzungen zufolge setzt die Rotlicht-Branche bis zu 15 Milliarden Euro im Jahr um. Schon allein deshalb hat der Staat kein Interesse an einem Sexkaufverbot.
Leider sind auch noch Frauenorganisationen, wie der Deutsche Frauenrat der Ansicht, Prostitution sei als freie Berufswahl Ausdruck sexueller Freiheit. Da sind sie sich einig mit sogenannten Gewerkschaften oder Berufsverbänden für „sexuelle Dienstleistungen“, die nicht die Interessen der prostituierten Menschen, sondern vor allem der ProfiteurInnen der Sexindustrie vertreten.
Führende Traumatherapeutinnen und Therapeuten dagegen sprechen sich scharf für eine gesellschaftliche Ächtung der Prostitution aus und unterstützen die Aktion „Stopp Sexkauf“.
Bei uns am Stand liegen Unterschriftenlisten der Kampagne „Macht den Schluss-Strich!“ aus. Wir freuen uns über viele eurer Unterschriften und wünschen uns allen, dass wir einer Welt ohne Prostitution näher kommen.“

Happy International Womens-Day all together!

Heute ist der Internationale Frauentag –Berge Transparent Esther und Su Open your Eyes Open your eyes Sträter Tanz bewegt Tanz von hinten Tanz Zuschauer Verdi 4für die Befreiung der Frau weltweit!
Wir wünschen Euch schöne Aktionen gestern gehabt zu haben und heute umsomehr! Hier ein paar Eindrücke von der Gemeinschaftsaktion in Essen unter dem Motto der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2016 in Nepal – es war klasse! Die Grüße an die Frauen der Welt in 10 verschiedenen Sprachen, die Tänzerinnen gegen Sexismus und Mobbing „Open your eyes“, die vielen verschiedenen Rede- und Kulturbeiträge, die Rotfüchse mit Rosenverkauf, die ZuhörerInnen, die INfomeile, der KuK- Stand (Kumpel und Kerle verkaufen Kaffe und Kuchen)  und auch das Wetter war toll! Über 100 € haben die Männer am KuK- Stand für unsere Schwestern in Kobanê für den Wiederaufbau ihrer Existenzen gesammelt. DANKE ALLEN!!!!!

INFO: Kommunalpolitisches Frühstück zu 10 Jahre Hartz IV…

…von unseren Nachbarn, dem Komunalwahlbündnis „Essen steht AUF“:

Politische Diskussionsveranstaltung mit Frühstück gegen Spende, Sonntag, 8. März, 11.00 – 13.00 Uhr, im Courage-Zentrum, Goldschmidtstr. 3, Essen

Herzliche Einladung

10 Jahre Hartz IV –
10 Jahre Widerstand

Die rot-grüne „Mutter aller Reformen“ (Wolfgang Clement damals) hat das Land tief greifend verändert. Eine soziale Abwärtsspirale wurde in Gang gesetzt:
• Ein riesiger Niedriglohnsektor wurde geschaffen.
• Mit über 12 Millionen hat die Armut einen Höchststand erreicht.
• Unterbeschäftigung in Millionen Minijobs wurde Standard und wird in
der nahen Zukunft zu grassierender Altersarmut führen.
Das Hartz IV-System bedeutet für heute 6 Millionen Menschen im Hartz IV-Bezug einen Alltag aus Ausgrenzung, Stigmatisierung, Sanktionen und Gängelung. Aber auch allen, die Arbeit haben, schwebt es wie ein Damoklesschwert über dem Kopf.
Was sind die Hintergründe dieser Politik, die auch nach 10 Jahren verhasst geblieben ist und auf breiten Widerstand von unten stößt? Was fordern wir, auch in der Kommunalpolitik? Wie können wir den Widerstand gegen Hartz IV stärken und verbreitern? Darüber wollen wir mit Interessierten, Betroffenen, Aktivisten der Essener Montagsdemo und anderer Initiativen diskutieren:

-OstviertelEinladung Frühstück 8.3.

Protesterklärung des Kämpferischen Frauenrats zur Ermordung von Özgecan Aslan

Gelsenkirchen, den 18.02.2015
Frauen aus der Türkei berichten, dass die Zahl brutaler Tötungen und Überfälle an Frauen tagtäglich ansteigt. Die türkische Regierung mit der seit 13 Jahren regierenden AKP und ihrer islamistisch-reaktionären Politik hat bisher daran nichts geändert. Im Gegenteil: Die Frauen sollen noch mehr unterdrückt werden und ihre Lage hat sich verschlimmert.

Bereits im ersten Monat des Jahres 2015 wurden 29 Frauen das Recht auf Leben genommen, und ÖZGECAN ASLAN befindet sich nun in den Statistikzahlen des Februars.

Ein 20 Jahre altes Mädchen stieg in ein öffentliches Verkehrsmittel, um nach Hause zu fahren, kam jedoch nie an. Sie war unvorstellbarer Gewalt ausgesetzt, wurde vergewaltigt und später verbrannt, und so mitten aus dem Leben gerissen. Die inzwischen gefassten Täter stammen aus der nationalistisch-faschistischen Ecke der Grauen Wölfe.
Wir Frauen des Kämpferischen Frauenrats sind über die Ermordung von ÖZGECAN ASLAN entsetzt und wütend. Aber wir trauen nicht nur, wir werden unsere Wut in Kraft verwandeln die Lage der Frauen und der ganzen Menschheit zu verändern.

Trauer wird zur Rebellion!
Wir fordern die türkische Regierung auf, die Frauen zu schützen und nicht zum Freiwild für Reaktionäre, Faschisten und religiöse Fundamentalisten werden zu lassen.

Hoch die internationale Frauensolidarität!
Fidan Yildiz, Angelica Urrutia, Anne Wilhelm, Sogül Talay