Am 23.07.2026 haben wir Courage-Frauen zum zweiten Mal erfolgreich eine Aktion „Womens Voice“ in Essen-Frohnhausen durchgeführt. Im März hatten wir das in Solidarität mit Collien Fernandes und allen von (digitaler) Gewalt betroffenen Frauen angefangen.

An der guten Aktion nahmen fast 30 Personen teil. Schon im Vorfeld hatten wir bewusst diskutiert, dass Männer eingeladen sind und auch sprechen dürfen – denn wirkliche Gleichberechtigung und Kampf gegen Gewalt an Frauen geht nur mit Frauen und Männern gemeinsam.

In der Einleitung betonte eine junge Courage-Frau, dass wir gemeinsam laut, wütend und stark sind und wir so gesehen und auch gehört werden. „Wir kämpfen gemeinsam, bis jede Frau sicher und frei ist!“ Eine weitere Courage-Frau richtete einen eindringlichen Appell an die Teilnehmenden und Passanten, bei Gewalt nicht zu schweigen, nicht wegzusehen, sondern zuzuhören, Hilfe anzubieten und Zivilcourage zu beweisen. „Gewalt gegen Frauen ist kein Problem einzelner Frauen, es ist kein Problem allgemein von Männern – es ist ein gesellschaftliches Problem. … Stellt euch gegen Gewalt – nicht irgendwann, sondern jetzt.“ Auf der gemalten Silhouette einer Frau konnte sich mit einem bunten Fingerabdruck jede verewigen, die selbst eine Form von Gewalt erlebt hat.

Weitere Beiträge bezogen sich u.a. auf den aktuellen Justiz-Skandal um Claudia Wuttke. 65 von 67 auf Video aufgenommenen Vergewaltigungen durch ihren Ex-Partner, bei denen sie betäubt war, sind bereits verjährt und der Täter kann nicht mehr dafür belangt werden. Das bewegte auch die anwesenden Polizisten, die (nach Dienstschluss) uns gegenüber die Beiträge ausdrücklich würdigten. Diese „Gesetzeslücke“ zeigt erneut, dass unser Kampf um besseren Gewaltschutz bei Gesetzestexten anfängt und weitergeht, bis diese in der gesellschaftlichen Praxis durchgekämpft sind.

Außerdem prangerten wir die strukturelle Unterdrückung der Frauen im Kapitalismus an, die sich gerade auch in der ökonomischen Abhängigkeit zeigen. Nach wie vor erbringen Frauen den Großteil der unentgeltlichen Arbeit mit Haushalt, Familie, Pflege usw. Das wirkt sich dann bis in eine enorme Altersarmut aus – 60% der Rentnerinnen erhalten aktuell Bezüge unter der Armutsgrenze!

Die Aktion zeigt: Es gibt viele Gründe gegen die vielfältigen Formen der Gewalt gegen Frauen zu kämpfen. Gemeinsam und solidarisch zusammenzustehen hilft, aus einer spontanen Wut eine Kraft zu machen, die tatsächlich was verändert. Im gemeinsam gesungenen Lied „Brot und Rosen“ heißt es passend: „Wenn wir zusammen gehen, kommt mit uns ein bess’rer Tag. Die Frauen die sich wehren, wehren aller Menschen Plag’. Zu Ende sei das kleine Leute schuften für die Große – Her mit dem ganzen Leben, Brot und Rosen!“

Wenn ihr beim nächsten Mal auch dabei sein, etwas beitragen oder dafür mobilisieren wollt schreibt uns: ed.liam@nesse-egaruoc

2 der Reden von Couragefrauen

Weiterlesen: „Wir kämpfen gemeinsam, bis jede Frau sicher und frei ist“


1. Es freut mich, dass wir alle den Weg hierhin gefunden haben um gemeinsam laut zu sein.
Denn das war die Grundidee hinter „womens voice“.
Lasst uns zusammen laut und wütend sein.
Ich habe damals die Nachrichten rund um Collien Fernandes verfolgt und war vor allem eins: wütend!
Aber ich hatte keine Community um diese Wut zu teilen oder auch in etwas größeres und bedeutungsvolles zu verwandeln.
Dann habe ich Courage angeschrieben und auch sie waren wütend und wollten etwas gegen diese Form der Gewalt an Frauen tun und schon war die Idee hinter dieser Initiative geboren.
Aber was diese Aktionen füllt sind nicht nur unsere Ideen sondern eben vor allem die Teilnahme so vieler Menschen denen es auch so geht wie uns.
Die sich die Umstände ansehen unter denen Frauen leiden und die auch einfach wollen, dass es besser wird. Das wir gehört werden. Und das werden wir.
Seit der letzten Aktion im Frühjahr wo so viele Menschen auf die Straßen gegangen sind und ihre Anteilnahme an diesem Fall gezeigt haben, ist der Druck auf die politische Antwort dazu unfassbar gewachsen. Und wir hatten Erfolg. Wir haben erreicht, dass es einen Gesetzesentwurf gibt, der deepfake Pornografie als eigenen Tatbestand anerkennt und entsprechend bestraft wird. Das reicht uns aber natürlich nicht!
Wir bleiben laut und sichtbar bis aus dieser Theorie auch endlich politische Praxis wird und diese Gesetzespläne reale Verbesserung bringen.
Schritt für Schritt gemeinsam gegen Gewalt an Frauen, das ist unser Ziel. Egal ob im Netz, auf der Straße, im eigenen Wohnzimmer oder sonst wo.
Gemeinsam sind wir laut, wütend und stark und werden gesehen und gehört. Danke, dass ihr alle da seid um zu zeigen, dass wir gemeinsam kämpfen bis jede Frau sicher und frei ist

2. Liebe Anwesende,
Gewalt gegen Frauen ist ein Thema, das uns alle betrifft. Sie geschieht nicht nur in den Nachrichten oder weit entfernten Ländern, sondern auch mitten in unserer Gesellschaft. Jeden Tag erleben Frauen Belästigung, Übergriffe und Gewalt – unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation.
Die Folgen von Gewalt sind oft nicht sichtbar. Dennoch können sie Menschen über lange Zeit begleiten und ihr Leben nachhaltig beeinflussen. Umso wichtiger ist es, dieses Problem ernst zu nehmen und nicht wegzusehen.
Die Bekämpfung von Gewalt braucht nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch konkrete Unterstützung. Wenn Maßnahmen zur Gewaltprävention gekürzt, Frauenhäuser in ihrer Finanzierung eingeschränkt oder Unterstützungsleistungen für Betroffene reduziert werden, dann erschwert das den Schutz und die Hilfe für Menschen, die darauf angewiesen sind. Gerade in einer Zeit, in der Gewalt gegen Frauen weiterhin Realität ist, braucht es mehr Schutz und Unterstützung, nicht weniger.
Besonders besorgniserregend ist, dass jungen Menschen mittlerweile oft ein falsches Bild von Stärke vermittelt wird. Ein Bild, das auf Dominanz, Kontrolle und Einschüchterung basiert. Manchen wird eingeredet, Härte sei wichtiger als Mitgefühl. Macht wichtiger als Respekt.
Gewalt ist keine Stärke.
Gewalt ist kein Zeichen von Männlichkeit.
Gewalt steht im Widerspruch zu Respekt, Gleichberechtigung und Menschlichkeit.
Echte Stärke bedeutet, andere Menschen mit Respekt zu behandeln, Grenzen zu achten und sich entschieden gegen jede Form von Gewalt und Unterdrückung einzusetzen.
Wir dürfen nicht schweigen!
Wegsehen schützt niemanden.
Wir alle können etwas tun:
Wir können widersprechen, wenn Gewalt verharmlost wird.
Wir können Betroffenen zuhören.
Wir können Hilfe anbieten.
Und wir können Haltung zeigen und Zivilcourage beweisen.
Denn Gewalt gegen Frauen ist kein Problem einzelner Frauen. Und es ist kein Problem allgemein von Männern. Es ist ein gesellschaftliches Problem, das uns alle betrifft.
Gewalt darf niemals verharmlost werden. Hört Betroffenen zu. Unterstützt sie. Greift ein, wenn Menschen herabgewürdigt oder bedroht werden.
Mein Appell an euch alle:
Stellt euch gegen Gewalt. Nicht irgendwann, sondern jetzt!
Zeigt Respekt. Zeigt Mitgefühl. Zeigt Haltung.
Denn jede Stimme gegen Gewalt macht einen Unterschied.
Danke

„Wir kämpfen gemeinsam, bis jede Frau sicher und frei ist“

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