Impulsvortrag und Gespräch im Rahmen des Courage Dinners

Im Juli durfte ich, Anna Sadatsharifi, von meiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Ambulanten Hospizdienst berichten. Dort bin ich seit knapp zwei Jahren tätig und begleite kranke Personen und ihre Angehörigen.

Bevor wir als Ehrenamtliche Familien begleiten werden wir in einem mehrmonatigen Kurs ausgebildet unter anderem werden die Sterbe- bzw. Trauerphasen besprochen.

Diese werden von vielen Menschen in Krisensituationen durchlebt, verlaufen aber nicht stringent.

Zu den Phasen gehören das „Nichtwahrhabenwollen“, im ersten Moment wollen wir schlechte Nachrichten verdrängen und können diese nicht glauben, als Außen stehende Person versuchen wir da zu sein und zuzuhören, aber nicht zu widersprechen.

In der Phase des „Zorns“ stellen sich viele Betroffene die Frage „Warum ich?“, „Ich habe das nicht verdient.“. Dies ist eine anspruchsvolle Phase für die außenstehende Person, da auch bei ihr negative Gefühle oder Ungeduld aufkommen können. Wichtig ist sich nicht vergraulen zu lassen.

Das „Verhandeln“ ist eine Phase in der wir als Außenstehende Person wieder aktiver werden können, wichtig ist aber, dass wir Wünsche oder Annahmen der Betroffenen Person nicht bewerten oder korrigieren, dabei aber keine falschen Hoffnungen wecken.

Die Phase der „Depression“, ist oft durch Konflikte mit Angehörigen gekennzeichnet, die betroffene Person zieht sich zurück, betrauert vielleicht verpasste Chancen, oder will auch nicht mehr kämpfen. Als Ehrenamtliche halten wir Stille und Tränen mit aus.

Bei vielen Menschen stellt sich als letzte Phase „Zustimmung“ ein, für die Angehörigen ist dies oft schwer zu ertragen da sie nun Loslassen müssen.

Wichtig zu wissen ist das nicht jeder Mensch alle Phasen durchlebt, manche Phasen tauchen auch mehrmals auf im laufe des Prozesses. Für Ehrenamtliche oder andere außenstehende Personen ist es wichtig in der Kommunikation zu bleiben.

Nach diesem kleinen Einblick in die Arbeit des Hospizdienstes haben wir uns persönlicheren Themen zugewendet.

Mit war es wichtig auf unterschiedliche Perspektiven hinzuweisen.

Weiterlesen: Bericht zum Dinner for You im Juli: Wie spricht man eigentlich über den Tod?

Auf der einen Seite müssen wir uns mit unserer eigenen Sterblichkeit auseinandersetzten und sollten so gut es geht vorsorgen, z.B. mit einer Patientenverfügung, Vollmachten etc. und auch indem wir mit uns vertrauten Personen darüber sprechen, was wir uns wünschen. So können wir die Situation für unsere eigenen Angehörigen erleichtern. Der Verlust eines Menschen ist nicht nur emotional anstrengend, sondern bringt auch viele organisatorische und finanzielle Hürden mit sich, das sollten wir zu unseren Lebzeiten so gut wie möglich bearbeiten.

Auf der anderen Seite war es mir aber auch wichtig aus der Perspektive einer Trauernden zu sprechen. Ich bin zu Courage und später auch zum Hospizdienst gekommen, weil mein Mann sehr früh verstorben ist. Ich habe aktiv Anschluss gesucht, weil ich gemerkt habe, wie einsam die Trauer machen kann. Ich freue mich immer über meinen Mann sprechen zu können, weil er ein wunderbarer Mensch war und er es verdient, hat das sich Menschen an ihn erinnern.

Im Anschluss entstand ein berührendes Gespräch, bei dem viele Erinnerungen an Verstorbene geteilt wurden. Für mich war es eine bereichernde Erfahrung das es vielen Trauernden so wie mir ergeht und vielleicht konnten wir gemeinsam den Mut fassen die Trauer von anderen zu sehen und mitzutragen.

Einen Herzlichen Dank an alle die da waren für die Offenheit und Bereitschaft, Meinungen und Erfahrungen auszutauschen und sich diesem beängstigenden Thema in der Gemeinschaft zu stellen.

Meinungen von Teilnehmerinnen:

1. Ich fand das letzte Dinner sehr bewegend. Es war für mich eine gute 
Erfahrung meine Trauer zu teilen. Auch der Gedenktisch hat mir gefallen.
Aber vor allem die Geschichten der Anderen haben mich sehr berührt.
2. Beim Dinner im Juni gab es nicht nur passend zum Wetter ein sehr schönes Salatbuffet, wo man sich kulinarisch auf einer Reise befand. Dasbesprochene Thema war auch eine gedankliche Reise in die Realität vonHinterbliebenen bzw. Angehörigen, die selbst einen Liebsten verloren haben.Durch meine Arbeit im Krankenhaus bin ich mit dem Thema Tod schon vertraut,jedoch eher in Bezug zur Medizin. Dinge wie Patientenverfügung, Reanimationoder die palliative Versorgung waren an der Tagesordnung. Die Trauer unddie Perspektive von Angehörigen, damit hatte ich kaum Berührungspunkte.Umso mehr hat es mich erfreut und interessiert, dass die Runde beim Dinnerund vor allem Anna so offen darüber waren, über ihren Liebsten zu reden.Mit Tränen in den Augen, aber auch mit einem Lächeln im Gesicht, einfachweil jeder von uns weiß, dass ein Teil der Verstorbenen in einemweiterlebt. Besonders die Tatsache, dass, wenn man eben NICHT über denVerstorbenen spricht, dies wie ein "zweiter Tod" ist, hat mich zumNachdenken gebracht. Leider musste ich früher gehen, so kurz das Dinner fürmich war, umso froher bin ich darüber, dass ich an dem emotionalen undbesonderen Abend dabei war!
3. Das letzte Dinner bei Courage war thematisch sehr emotional ich ich michgleich als erste zu Wort gemeldet um die Hürden, die der Schmerz des Themas mit sich bringt, zu überwinden und so einen offen Gesprächsraum für alle Teilnehmenden zu schaffen. Der Beitrag der Hospiz-Mitarbeiterin, die von dem Alleingelassen-Werden in der Trauer, dem kollektiven Verdrängungsbestreben berichtete, hat meine eigenen Erfahrungen vollkommen bestätigt und es macht mich heute noch sehr wütend und natürlich auch traurig, wie gesellschaftlich mit Tod und Trauer umgegangen wird. Ich halte es es für unschätzbar wichtig, dass Tod und Trauer öffentlich sichtbar gemacht und enttabuisiert werden, Ängste dadurch abgebaut werden können und trauernde Menschen in Zukunft nicht mehr derart diskriminiert werden. Dass das auch möglich und sehr gewinnbringend für alle ist, zeigt teilweise der Umgang in anderen Kulturen. Ich finde es großartig, dass Courage auch in diesem Punkt nicht wegschaut und mit einer solchen Veranstaltung einen so wichtigen Beitrag leistet.
Bericht zum Dinner for You im Juli: Wie spricht man eigentlich über den Tod?

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