14.1.21 Protestdemo Demo zur Anhörung NRW- Landtag zu Sexkauf

Protest-Demo:
Donnerstag, 14.01.2021 vor dem Düsseldorfer Landtag in der Zeit von 12 bis 13 Uhr zur Anhörung für Sexkauf im Landtag NRW
 
Pressemitteilung
Dortmund, 08.01.2021
Am 14.01.2021 lädt der NRW Landtags-Ausschuss für Gleichstellung und Frauen zu einer Anhörung von Sachverständigen ein. Es geht um das Thema „Nein! Zum Sexkaufverbot des Nordischen Modells – Betroffenen helfen und nicht in die Illegalität abschieben“, wie es die Fraktionen von CDU und FDP, Drucksache 17/10851, beantragt haben. Bei den zehn geladenen Sachverständigen handelt es sich überwiegend um Personen und Vereine, die sich weiter für den liberalen Umgang mit dem Sexkauf einsetzen; die Zwangsprostitution und Gewalt in der Prostitution nicht wahrhaben wollen. Wir sind Menschen, die sich haupt- oder ehrenamtlich für die in der Prostitution tätigen Menschen einsetzen, Präventions- und Ausstiegsarbeit sowie Aufklärung- und Informationsarbeit über das gewaltvolle und ausbeuterische System Prostitution leisten. Wir können die Auswahl an parteiischen Sachverständigen nicht hinnehmen. Daher haben wir uns zu einem Aktionskreis Nordrhein-Westfalen pro Nordisches Modell zusammengeschlossen, eine Stellungnahme verfasst und richten diese an die Mitglieder des o.g. Ausschusses des Landtages Nordrhein-Westfalens. Schon bei der Durchsicht des Plenarprotokolls 17/100 vom 17.09.2020 ab Seite 94 unten (https://www.landtag.nrw.de/…/dok…/Dokument/MMP17-100.pdf) haben wir feststellen müssen, dass sich die Beiträge der PolitikerInnen hauptsächlich auf die Aussagen einiger lautstark öffentlich auftretender Bordellbetreibenden, ZuhälterInnen und Dominas beziehen. Diese Lobbyisten allerdings vertreten nur eine sehr kleine Gruppe der in der Prostitution tätigen Menschen in Deutschland. Wir sind betroffen über folgende Aussage und zitieren aus dem o.g. Plenarprotokoll, S. 95, Simone Wendland, CDU: “Wir müssen akzeptieren, dass Menschen sich prostituieren – sei es, weil es ihr Beruf ist; sei es, weil sie dazu gezwungen werden.” NEIN, wir dürfen als Zivilgesellschaft nicht akzeptieren, dass der Großteil der in der Prostitution Tätigen gezwungen wird, sich zu prostituieren, sich sexuell benutzen zu lassen und mit psychischen und physischen Folgeschäden leben muss. Der kommerzielle Frauenkauf steht der im Grundgesetz festgeschriebenen Geschlechter-Gleichstellung entgegen. Solange Männer Frauen zur sexuellen Benutzung kaufen dürfen, solange werden Frauen in der Gesellschaft nicht gleichgestellt agieren können. Das System Prostitution steht der Gleichstellung der Geschlechter entgegen, da sich das Machtungleichgewicht ständig manifestiert. Wir fordern daher zusammen mit der Empfehlung des Europäischen Parlamentes aus dem Jahr 2014 (https://www.europarl.europa.eu/…/die-freier-bestrafen…) die Einführung von Gesetzen entsprechend dem Nordischen Modell, dem sog. Sexkaufverbot. Dieses Modell nimmt die Freier/Sexkäufer als Verursacher von Zwangsprostitution und Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung in die Verantwortung. Das Nordische Modell entkriminalisiert und unterstützt die in der Prostitution Tätigen, bietet Ausstiegshilfen an und leistet Prävention in Form von Bildungsangeboten und Aufklärungskampagnen. Näheres entnehmen Sie bitte unserer Stellungnahme vom 08.01.2021. Ganz aktuell dazu lief am 04.01.2021 eine Reportage auf Arte. Anbei der Link:
https://www.arte.tv/de/videos/093707-012-A/re-sex-aus-armut/ Wir fragen uns: Warum unterstützt, verteidigt und schützt das Land NRW den Anspruch einer Minderheit von Männern auf das bezahlte Benutzen von Frauenkörpern?
Wir fragen uns weiter: Warum fördert das Land NRW die Geschäfte von Menschenhändlern und kriminellen Betreibern von Bordellen und Laufhäusern?
 
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Simone Kleinert unter der Rufnummer 0176 826 14445 oder an dortmund@frauenrechte.de.
 
Aktionskreis Nordrhein-Westfalen pro Nordisches Modell:
Arbeitskreis Frauenrechte sind Menschenrechte, Paderborn
Feministische Partei DIE FRAUEN, Dortmund
Frauenverband Courage, Essen
Girl take care, Köln
Leben in Freiheit e.V., Bonn
Linke für eine Welt ohne Prostitution, Essen
Netzwerk Pro Sexkaufverbot, SPD
SISTERS Ortsgruppe Köln
SOLWODI Oberhausen
TERRE DES FEMMES Städtegruppe Bielefeld
TERRE DES FEMMES Städtegruppe Dortmund
TERRE DES FEMMES Städtegruppe Düsseldorf
TERRE DES FEMMES Städtegruppe Köln
Viktoria Kirikova, Überlebende der Prostitution, Aktivistin im Netzwerk Ella, Dortmund
Windrose e.V., Düsseldorf
 
Anmerkung:
Prostitution ist in erster Linie geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen. Die zu ergreifenden Maßnahmen schließen selbstredend weitere in der Prostitution tätige Personen ein.