Was vom Menschen übrig bleibt – Die Wahrheit über Prostitution

Prostitution ist ein mentales und emotionales Massaker
Rachel Moran

Rachel Moran:
(Übersetzerin: Maria Heydel)
Was vom Menschen übrig bleibt –
Die Wahrheit über Prostitution
ISBN 978-3-8288-3458-3
380 Seiten
Tectum Verlag 2015
€ 17,95

Am Mittwoch, den 11. März erschien im Tectum Verlag die deutsche Ausgabe des Buches der Prostitutionsüberlebenden Rachel Moran aus Irland (Originaltitel “Paid For – My Journey through Prostitution”) mit dem Titel “Was vom Menschen übrig bleibt – Die Wahrheit über Prostitution”.

Hanna Dahlberg von den Störenfriedas hat eine Rezension verfasst.

 

Auszug Rezension

Rachel Moran erlaubt uns nicht nur einen weitreichenden Blick in ihre Lebensgeschichte, sondern auch einen Blick bis ganz tief in ihre Seele. Sie hat nicht nur eine Autobiographie geschrieben, sondern ihre ganz eigene Geschichte in das “große Ganze” eingeordnet und es gelingt ihr sehr gut darzustellen wie all die Einzelschicksale zusammenhängen, die großen Mythen der internationalen Prostitutionslobby zu entschlüsseln und zu enttarnen, und schließlich zu vermitteln welchen Weg wir einschlagen müssen um zu einer humaneren Gesellschaft zu schaffen, in denen Frauen keine Objekte für den männlichen Konsum, sondern ebenbürtige Menschen sind. Es ist die Gesamtbetrachtung des Systems Prostitution durch eine, die in ihm gelebt hat.

Dabei bedient sie sich einer so bildhaften Sprache, die dazu geeignet ist die Leserin/ den Leser zu berühren und an dem Schicksal der prostituierten Personen teilzuhaben und es nachfühlen zu können – auch dann wenn einem die Erfahrung am eigenen Leib zum Glück erspart geblieben ist.

Großen Respekt ist der Übersetzerin Maria Heydel zu zollen, der es sehr gut gelungen ist, die Botschaft von Rachel Moran ins Deutsche zu übertragen. Nicht selten sind Übersetzungen ja mit einem nicht unwesentlichen Verlust von Authenzität verbunden – dies ist hier eindeutig nicht der Fall.
Hanna Dahlberg

Zitat aus dem Buch

Wenn jemand mit Peitschenhieben gefoltert wird und das Opfer dabei geknebelt ist, damit es still bleibt, brennen die Hiebe dann weniger auf der Haut? Wenn eine Frau sagt “Hier, peitsch mich für Geld aus”, die Peitsche überreicht und während der Auspeitschung keinen Ton von sich gibt, brennt es dann weniger auf der Haut? Und wenn sie glaubt (weil die Welt ihr das zu verstehen gibt), dass sie im Nachhinein kein Anspruch darauf erheben darf, Opfer einen Gewaltakts geworden zu sein, da sie schließlich Geld dafür akzeptiert hat, macht das ihren Angreifer, der Geld für das Vergnügen, sie zu verletzen, bezahlt hat, in irgendeiner Weise weniger zum Gewalttäter? Eine prostituierte Frau ist gezwungen, täglich zu verschweigen, wie ihr Unrecht angetan wird. Moderne, von der Gesellschaft akzeptierte Denkweisen halten sie geknebelt, und der psychologische Schaden, der dadurch entsteht, ist nicht nur weitverbreitet, sondern auch unvermeidlich. Unter Prostituierten wird das als einer der vielen Faktoren eines Lebens voller emotionaler Zumutungen hingenommen, und zwar meistens fraglos […] Die Kommerzialisierung sexuellen Missbrauchs hat eine Arena geschaffen, in er eben dieser Missbrauch ungehindert wüten kann, und zwar genau aus dem Grund, dass er weder erkannt noch richtig benannt wird.
Rachel Moran