Mordprozess Madeleine, Dienstag, 6.1. 2015, Landgericht Essen, 9 Uhr – bitte kommen!

Dienstag, 6.1. 2015, Landgericht Essen, 9 Uhr: Mordprozess Madeleine – zeigen wir Courage und Präsenz: bitte kommen, wer irgendwie kann! Im Anschluss hat WDR-Radio uns zum INterview eingeladen. Der Saal wird noch mitgeteilt. Wir treffen uns zum Einchecken um 8.45 Uhr in der Eingangshalle. Wir sind nach wie vor der Meinung “Madeleine könnte noch leben und ihre kleine Tochter könnte noch ihre Mutter haben, wenn die Staatsanwaltschaft nicht alles so verzögert hätte!” Und wir wollen, dass dieser Skandal vollständig aufgeklärt wird. Der bisherige Prozessverlauf bestätigt unsere Vorwürfe und Forderungen im “offenen Brief an Staatsanwältin Milk” vom 25.6.14.

Hier nochmal ein paar Fakten zur Geschichte: “Nachdem Madeleine im Sommer 2012 aus dem elterlichen Haushalt geflüchtet war und sich vor ihrem Stiefvater verbarg, hatte sie ihn wegen jahrelangen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Knapp ein Jahr zuvor hatte die damals 21-Jährige seine Tochter zur Welt gebracht. Was die Prozessbeteiligten am Donnerstag zu hören bekamen, war ein aufgezeichnetes Gespräch Madeleines mit einer Psychologin, die ihren belastenden Aussagen später Glaubwürdigkeit bescheinigte…

WDR Hörfunk 18.11.14 Der Prozess um die ermordete und einbetonierte Madeleine aus Gelsenkirchen ist ins Stocken geraten. Eigentlich sollte es schon ein Urteil geben, jetzt ist das Verfahren erstmal unterbrochen worden. Die Staatsanwaltschaft möchte mit einem zusätzlichen Gutachten die besondere Schwere der Schuld des Stiefvaters feststellen.

WDR 2-Reporter Sebastian Auer: “Die Anklage wirft ihm vor, Madeleine umgebracht und in einer Essener Schrebergartenanlage einbetoniert zu haben. Seine Stieftochter habe ihm keinen Kontakt zum gemeinsamen Kind erlaubt, wird als ein Motiv genannt. Die Staatsanwältin will nun erreichen, dass der Mann bei einer Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung bekommt. Vorraussichtlich im nächsten Jahr soll es weitergehen — dann soll das neue Gutachten erstellt sein.”

WAZ 22.10 2014 Essen. Dem Mann, der seine Stieftochter, Madeleine W., umgebracht und in seinem Kleingarten einbetoniert haben soll, bescheinigt die psychiatrische Gutachterin vor dem Landgericht Essen “psychopathische Züge”. Er manipuliere und kontrolliere sein Umfeld, denke immer nur an eigene Interessen. Nahlah Saimeh, psychiatrische Gutachterin, ließ es an Eindeutigkeit nicht mangeln, als sie im Madeleine-Prozess den Angeklagten Günther O. (47) charakterisierte. Einen “Psychopathen” nannte sie ihn, “gefühlsarm, despotisch und manipulativ”. Gefühlskälte und eine antisoziale Persönlichkeits-fehlentwicklung bescheinigte sie dem nach ihrer Sicht “unterdurchschnittlich intelligenten” Angeklagten. Daniel O. hatte immerhin mit seiner Gutachterin gesprochen. Günther O. verweigerte dagegen eine Untersuchung durch die Psychiaterin Nahlah Saimeh. Sie könne deshalb nur ein eingeschränktes Gutachten erstatten, betonte sie. Aber das, was sie aus den Akten und der Hauptverhandlung weiß, reicht ihr für eine klare Aussage aus. Günther O. gehe es immer nur um seine eigenen Interessen. Er kontrolliere sich und andere sehr stark, sei ein Meister der Manipulation…Dass er angeblich große Gefühle für seine dreijährige Tochter, die ja auch sein Enkelkind ist, hege, will die Gutachterin nicht überbewerten: “Immerhin hat er seiner leiblichen Tochter die Mutter für immer entrissen.”

Für Günther O., der seine Stieftochter ermordet und begraben haben soll, läuft es im Mordprozess schlecht. Erst muss er eine Stunde lang die Stimme Madeleine W.s hören, dann widerlegt auch noch die Rechtsmedizinerin seine Version vom Unfalltod. Eindeutig: Madeleine war tot, als sie begraben wurde. Im Mordprozess vor dem Essener Schwurgericht reagiert der Angeklagte Günther O. am Donnerstag äußerst nervös, als die Stimme seiner Stieftochter Madeleine W. im Saal zu hören ist. Über eine Stunde lang muss er die Stimme der jungen Gelsenkirchenerin vernehmen, die er im Februar ermordet und in seinem Schrebergarten unter Beton und Erde begraben haben soll. Der 47-jährige Essener windet sich, verdreht seine Arme, schneidet Grimassen. Doch Madeleines Stimme bleibt, eine Tote klagt an. Schließlich legt er seinen Kopf auf den Tisch und die Hände auf die Ohren. Zeitweise steckt er sogar einen Finger hinein…  Was die Prozessbeteiligten am Donnerstag zu hören bekamen, war ein aufgezeichnetes Gespräch Madeleines mit einer Psychologin, die ihren belastenden Aussagen später Glaubwürdigkeit bescheinigte. Madeleine spricht schnell, lässt kein gutes Haar an ihrem Stiefvater: „Der soll bestraft werden. In den Knast gehen. Das eklige, perverse Schwein.“ Zu Beginn ihrer Pubertät, so mit 13, fing es an, erzählt sie: „Als meine Brüste wuchsen, wurde er begierig, fasste mich an.“.. Angezeigt habe sie ihn schließlich, weil sie um ihr Kind fürchtete. Angst hätte sie, dass er auch die Kleine einmal missbrauchen werde. Sie erzählt, dass ihr Stiefvater sie offenbar schwängern wollte. Verhütungsmittel lehnte er ab, sagt sie. Als der Frauenarzt ihr eine Packung Anti-Baby-Pillen schenkte, habe Günther O. die Schachtel verschwinden lassen. Als sexsüchtig beschreibt sie ihn. Oft sei er in ihr Zimmer gekommen, die Hand in der Hose. Auch wenn die Mutter nebenan in der Küche saß oder der Bruder in der Wohnung war, hätte der Stiefvater Sex gewünscht. In einer Vernehmung bei der Kriminalpolizei spielt auch eine „eidesstattliche Erklärung“ von Madeleine eine Rolle. Nachdem sie den Stiefvater am 9. August 2012 angezeigt hatte, durchsuchte die Polizei seine Wohnung in Essen-Borbeck. Sehr kooperativ zeigte er sich dabei nicht. Die Tür blieb zu, am Handy sagte er den Beamten, er mache gerade Urlaub, sei gar nicht zu Hause. Als die misstrauischen Polizisten den Schlüsseldienst holten, um in die Wohnung zu gelangen, öffnete ihnen Günther O. dann doch die Tür. Hinter ihm standen Ehefrau und Sohn. Sofort präsentierte er ihnen eine eidesstattliche Erklärung seiner Stieftochter. Darin bestätigte sie kurz vor ihrer Flucht, dass sie mit Günther O. „ohne jeglichen Zwang Geschlechtsverkehr“ hatte und so auch die Tochter gezeugt worden sei… Fassungslos und aufgebracht soll Madeleine darauf reagiert haben, berichtet eine Kripo-Beamtin… Denn laut Gutachten ist Madeleine nicht unabsichtlich getötet, sondern aktiv erstickt worden…