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25. 9. Das Couragezentrum Essen wird zehn Jahre alt- kommt und feiert mit uns ab 12 Uhr!
Caritas-Flüchtlingshilfe Essen: „Aus dem Alltag unseres Beratungszentrums“
Gut gemeint: Die neue Wohnsitzregelung
Mohanad und Anas sind Anfang 20. Im Jahr 2015 sind die Brüder aus ihrem Heimatland Syrien nach Deutschland geflohen. Nach einigen Monaten in Gemeinschaftsunterkünften leben sie seit dem 1. Juni 2016 als Wohngemeinschaft in Essen-Borbeck. Im Laufe der nächsten Monate werden sich die Wege der Beiden voraussichtlich trennen – nicht auf eigenen Wunsch, sondern als Folge des Integrationsgesetzes vom 6. August 2016.
Mohanad und Anas haben zunächst in Sachsen-Anhalt gelebt. Als Asylbewerber waren sie an den Ort gebunden, der Ihnen durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zugewiesen worden war. Mit der Anerkennung als Flüchtling und dem Erhalt eines Aufenthaltstitels war das anders, der Wohnort durfte dann innerhalb Deutschlands frei gewählt werden. Die Wahl fiel auf EssenMohanads Pech: Er erhielt seinen Aufenthaltstitel nach dem 31.12.2015. Für ihn gilt damit der seit dem 6. August geltende §12a des Aufenthaltsgesetzes, die sogenannte Wohnsitzregelung. Sie verpflichtet Mohamad, drei Jahre lang innerhalb des Bundeslandes zu leben, dem er für sein Asylverfahren zugewiesen worden war. Es geht also zurück nach Sachsen-Anhalt.
Der Caritas Flüchtlingshilfe e. V. begrüßt die neue Regelung im Grundsatz. Zwei Dinge machen uns Sorgen:
So wie Mohanad, sind mehrere hundert Menschen betroffen, die nach Monaten und Jahren der Flucht bei uns in Essen erstmals dabei sind, zur Ruhe zu kommen. Sie haben ein Jobcenter im Ursprungs-Bundesland um die Zustimmung zum Umzug gebeten und haben diese bekommen. Sie haben in Essen eine Wohnung gefunden – das ist für viele Flüchtlinge mit Provisionen von bis zu 1.000 € verbunden. Ein Jobcenter in Essen hat diese Wohnung für angemessen erklärt. Mietverträge wurden unterschrieben, Strom und Telefon angemeldet. Manchmal besuchen Erwachsene einen Sprachkurs oder Kinder einen Kindergarten.Wenn der Termin zur Anmeldung bei der Ausländerbehörde da ist – darauf müssen Flüchtlinge in Essen zwei bis drei Monate lang warten – kommt jetzt für Viele das böse Erwachen: Wer, so wie Mohanad, seinen Aufenthaltstitel am 1.1.2016 oder später bekommen hat und dann in ein anderes Bundesland gezogen ist, wird nicht in Essen angemeldet, sondern schriftlich über die neue Wohnsitzregelung informiert und zur Rückkehr nach Sachsen, Bayern oder Baden-Württemberg aufgefordert. Dabei haben diese Menschen ihren Wohnsitz in gutem Glauben auf das Recht der freien Wohnortwahl verlegt. Für sie wünschen wir uns einen Vertrauensschutz, eine Übergangsregelung, die ihnen eine Anmeldung in der Stadt ermöglicht, in der sie seit zwei oder drei Monaten leben.
Was uns außerdem fehlt, sind konkrete Aussagen zur Umsetzung der neuen Regelung. Bis heute ist nicht klar, ob ergangene Leistungsbescheide des Jobcenters ihre Gültigkeit behalten oder ob bald Flüchtlinge von einem Tag auf den anderen ohne Leistungen dastehen werden. Flüchtlinge werden ihre Wohnungen in Essen verlassen und nach Süd- oder Ostdeutschland zurückkehren. Was ist mit ihren Miet- und Telefonverträgen? Wer bezahlt den Umzug in das Ursprungs-Bundesland? Und wo können sie dort leben? Eine Rückkehr in eine Gemeinschaftsunterkunft ist nach den zurzeit geltenden Regeln nicht möglich.
Mohanad und Anas warten gegenwärtig in ihrer Wohnung auf einen Anruf von uns. Sobald uns selbst mehr Informationen zur Verfügung stehen, wollen wir betroffene Flüchtlinge zu einer Info-Veranstaltung einladen. Wie lange das dauern wird, ist offen: Mit Jobcenter und Ausländerbehörde stehen wir in gutem Kontakt, dort arbeitet man aber noch an internen Absprachen. Anfragen an Innenministerium und Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales warten noch auf inhaltliche Antworten.
Montagsdemos und Flüchtlinge rufen gemeinsam auf: Protestiert gegen die unmenschliche Wohnsitzregelung!
Am Montag, 19. September um 18 Uhr ist Thema bei der Montagsdemo in Essen: Was tun gegen die „Wohnsitzregelung“ in Essen?
Am Montag, 26. September um 17.30 Uhr lädt die Montagsdemo Ruhr zu einer regionalen Demonstration in Gelsenkirchen, Preuteplatz ein!
Wir haben hier schon einige Beiträge dazu veröffentlicht, von der Caritas und der Montagsdemo. Diese „Wohnsitzregelung“ ist ein unmenschliches Gesetz, das wir nicht mittragen können. Wir wollen, dass alle, ob Deutsche, MigrantInnen oder Geflüchtete gleiche Rechte und Pflichten haben. Freie Wahl des Wohnortes gehört dazu. Diese Wohnsitzregelung ist ein Diktat gegen die Menschlichkeit. Noch schlimmer: Geflüchtete, die noch keine Möglichkeit hatten, sich vor dem 6. August 2016 in Essen registrieren zu lassen, einfach, weil sie keinen Termin im deutschen Bürokratiedschungel bekamen, werden jetzt zurück geschickt in die Stadt ihrer Ankunft nach der Flucht. Egal, ob sie in Essen schon eine Wohnung gefunden haben, die Kinder schon zur Kita oder Schule gehen…Sie bekommen einfach von jetzt auf gleich keinerlei Geld mehr, keine abgeschlossenen Vertäge werden mehr finanziert – sie stehen vor dem Nichts. Genauso natürlich in den Städten, wohin sie zurückgeschickt werden- alles auf Anfang, nix ist geklärt, wieder Übergangslager? Auf 8qm wohnen, ohne Türen und Decken- weniger als einem deutschen Schäferhund gesetzlich zusteht?
Hin- und Her- und schließlich Abgeschoben? Nicht in unserem Namen!
Das ist beschämend, das wollen wir und können wir nicht akzeptieren!
Kommt alle zur Montagsdemo am 19.8., 18 Uhr, Porschekanzel Essen, vor der Marktkirche!
Kommt alle zur ruhrgebietsweiten Montagsdemo am 26.9., 17.30 Uhr, Preuteplatz!
Fragen bitte an email: ed.egaruocvf@nesse-egaruocvf
MACHT MIT!
Als Infomaterial stellen wir zwei Artikel zur Verfügung:
- Ratsfraktion AUF-Gelsenkirchen
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- Caritas-Flüchtlingshilfe Essen: „Aus dem Alltag unseres Beratungszentrums“
Gut gemeint: Die neue Wohnsitzregelung



