Liebe Omas gegen Rechts,

wir wollen euch unsere herzliche Solidarität gegen die Angriffe des vermutlichen nächsten Kanzlers Friedrich Merz aussprechen. Wenn er sich nicht vorstellen kann, dass Frauen ehrenamtlich, aus Überzeugung und ohne Bezahlung gegen die Gefahr durch Faschisten und faschistische Politik aktiv werden, dann zeigt das nur sein eigenes Politik- und Demokratieverständnis. Wir protestieren gegen seine Politik, weil sie immer mehr inhaltlich den faschistischen Positionen der AfD entspricht – für ihn bedeutet das, wir hätten „nicht alle Tassen im Schrank“. Wir wissen aus unserem Courage-Zentrum in Frohnhausen: So viele Tassen in nur einem Schrank hat Herr Merz vermutlich noch nicht gesehen!

Wir als überparteilicher Frauenverband Courage schätzen euer Engagement und gratulieren euch, wie euer Zusammenschluss im letzten Jahr bundesweit gewachsen ist, auch bei uns in Essen. Als Omas übernehmt ihr Verantwortung für die Zukunft der Jugend.

Auch wir haben unsere Erfahrungen mit solchen Attacken auf unsere konsequente Haltung des fortschrittlichen Kampfs um Frauenrechte gemacht: Sowohl gegen den Verfassungsschutz und seine Verleumdungen als auch gegen die Aberkennung unserer Gemeinnützigkeit sind wir dabei vor Gericht und in der Öffentlichkeit als Siegerinnen vom Platz gegangen. Der Schlüssel war immer offensiv mit unseren Positionen unter die Leute zu gehen. Vielleicht ist auch für euch diese Erfahrung interessant, wir hängen euch einen schönen Bericht dazu an.

Zu unseren Vorschlägen für gemeinsame Aktivitäten am 8. März gegen die AfD in Altenessen hatten wir euch schon geschrieben, wir würden uns über eine Rückmeldung von euch freuen.

Mit solidarischen antifaschistischen Grüßen
Gitta Siegert und Susanne Keil
vom Ortsvorstand Courage Essen

Dazu ein passender Auszug aus dem Buch „Arbeiterfrauen“ von Linda Weißgerber, Gründungsmitglied und langjährige Bundesvorstandfrau von Courage.

„Arbeiterfrauen – Engagiert im Alltag Couragiert im Gegenwind“
„Wer hat Angst vor kämpferischen Frauen und ihrer Überparteilichkeit? Wenn Frauen verschiedener Weltanschauungen und Meinungen auf antifaschistischer Grundlage zusammenarbeiten, ist das ein Graus für Regierende und die da oben. Übertreibung? Nein!

Vom ersten Tag der Gründung an (1991) hat der Inlandsgeheimdienst / Verfassungsschutz den Frauenverband Courage ins Visier genommen – und in seine Verfassungsschutzberichte. Darin hat er den Verband antikommunistisch attackiert und verleumdet, Courage sei „ein U-Boot“ der MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands), sei „linksradikal“, sei „extremistisch“ und was noch alles. (…)

Nachdem die jahrelangen geheimdienstlichen Einschüchterungsversuche nicht erfolgreich waren, hat das Finanzamt dem Frauenverband 2012 die Gemeinnützigkeit entzogen. Und sicher gehofft, so den gesamten Verband oder zumindest die finanzielle Unabhängigkeit zu zerstören, weil keine Spendenbescheinigungen mehr ausgestellt werden dürfen.
Auch dieser Versuch scheitert. Trotz fehlender Spendenbescheinigung lässt die Spendenbereitschaft nicht nach. Courage geht beharrlich an die Öffentlichkeit und klagt vor Gericht, um die antikommunistischen Angriffe zurückzuweisen und die Gemeinnützigkeit zurückzuerobern.

Die Solidarität ist erstaunlich. Protestschreiben und Solidaritätsbekundungen von Nachbarinnen bis zum SPD-Bundestagsabgeordneten, von WDR-Medienschaffenden bis zu politischen Organisationen, sozialen Initiativen und aus unterschiedlichen Kreisen der Bevölkerung. Ein älterer Gewerkschafter aus Wuppertal schreibt sämtliche Ministerien an und fordert die Rückgabe der Gemeinnützigkeit für Courage.

Wir veranstalten Protestkundgebungen, Demonstrationen vor dem Wuppertaler Finanzamt und dem NRW-Landtag. Es folgen Gerichtsprozesse, in denen die Vertreter des Inlandsgeheimdienstes keinerlei Beweise oder fundierte Gründe vorlegen können.

Jede öffentliche Gelegenheit wird genutzt. Immer mehr Leute aus der Umgebung erkundigen sich und wünschen uns viel Erfolg. Das macht Mut! Im Jahr 2020 dann das positive Ergebnis. Nach acht langen Jahren Kampf haben wir sie wieder, die Gemeinnützigkeit! (…)

Zurück bleibt nur eine Frage. In welchem System leben wir eigentlich, in dem couragierte Frauen nicht erwünscht sind und staatliche Stellen mit antikommunistischen Angriffen und Verleumdungen einen überparteilichen Frauenverband wie Courage versuchen zu behindern und zu kriminalisieren?! Überparteilichkeit ist für den Kampf um die Gleichberechtigung und Befreiung der Frau so wertvoll wie eine Kette mit vielen bunten Perlen, pinke, gelbe, graue, violette, grüne, orange, weiße, rote – nur keine braunen.
Und deswegen werden wir die Überparteilichkeit weiterhin verteidigen wie eine Löwin ihr Junges!“ (Seite 86 bis 89)

Solidaritäts-Erklärung mit den Omas gegen Rechts